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Von Andreas
Bomba
Mayerbeers Oper "Les Huguenots" hatte eine stimmlich
erstklassige konzertante Premiere in der Alten Oper Frankfurt.
Dass man Giacomo Meyerbeers 1836 herausgekommene große Oper meist nur in konzertanter
Form zu hören bekommt, liegt an der enormen Besetzung, die heute kaum ein
Theater mehr finanziell riskieren kann. Vor allem nicht gegen die
Spielplanübermacht Richard Wagners. Über ein Jahrhundert nach dem Tod des
Kontrahenten behauptet er in Deutschland noch immer seinen Platz. Obwohl er
Meyerbeer so viel zu verdanken hatte, schmähte er ihn. Heute wirkt es
makaber, dass der jüdische Komponist das Libretto von Eugène Scribes, eine
Mixtur aus Räuberpistole und Lovestory, aus dem "Bartholomäusnacht"-Massaker
von Katholiken an Protestanten entwickelte, und hundert Jahre später der
"Reichskristallnacht"-Pogrom ihn posthum seine Stellung auf
deutschen Bühnen kostete.
Eine konzertante, besser: oratorische Aufführung reduziert diese Aspekte
notwendigerweise auf ein Sängerfest – so bedauerlich das ist, so gerne hört
man diese Oper wenigstens im gut klingenden Konzertsaal. Das Verständnis der
verworrenen Handlung (in der Alten Oper wurde französisch gesungen) und die
Identifizierbarkeit zahlreicher Nebenrollen hätte allerdings deutlich
gesteigert werden können durch den Abdruck des Librettos im Programmheft.
Zwei herausragende Sängerinnen bestimmten den Abend. Annalisa Raspagliosi
(Valentine) hat alles, was ein dramatischer Sopran braucht. Von glühender
Klangfülle – vor allem im breiten Mezzo-Bereich – bis zu schneidender Schärfe
verfügt sie über herrliche Stimmfarben, ihre Höhe ist glasklar und
kontrolliert, und auch in extremen Lagen vermag sie Dynamik und
sprachbetonten Ausdruck klug zu steuern. Ebenso phänomenal beherrscht Diana
Damrau (Marguerite von Valois) ihren wendigen und schönen Sopran: keine
Vokalakrobatik, die ihr nicht noch ein Lächeln abnötigte, kein nach
kurvenreichen Koloraturen angesprungener Einsatz, der ihr nicht perfekt und
leicht gelänge. Marcello Giordani (Raoul von Nangis), heldentenoraler
Widerpart, hinterließ dagegen gemischte Gefühle. Seine gleißende, kraftvolle
und schier ermüdungsfreie Höhe erkauft der Tenor mit ungesund luftiger
Mattigkeit im mezzavoce und in der mittleren Lage. Aber merkwürdig: Traute
man ihm im dritten Akt kaum mehr den Rest der Oper zu, blühte er im
bravourösen Duett mit Valentine (vierter Akt) erneut auf – Beweis dafür, dass
Gesangstechnik allein noch keinen ausdrucksstarken Sänger macht.
Mit allzu viel Aufwand und roh gefasstem Vibrato sang Soon-Won Kang den
Marcel (Raouls Diener), Frode Olsen und "Zeljko Lucic gaben mit viel
Charakter die gräflichen Bass- und Bariton-Rollen.
Dirigent Guido Johannes Rumstadt vertrat den erkrankten Paolo Carginani, ohne
dass man von "Ersatz" sprechen muss: Das Museumsorchester spielte
(von einigen Bläsersoli abgesehen) unter seiner straffen, souveränen Leitung
tadellos, die Tempi vermieden falsches Pathos, die Sänger fanden sich
aufmerksam, zurückhaltend und beweglich begleitet und doch glutvoll
angefeuert. Chor und Extrachor (Andrés Máspero) erreichten durch die
unglückliche Aufstellung tief hinter den Bläsern nicht immer die gewünschte
Durchschlagskraft.
Doch nach vier Stunden großer Oper herrschte beim Publikum restlose
Begeisterung.
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