Frankfurt Les Huguenots November 24, 2001
(concert version)

Alte Oper

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Frankfurter Neue Presse November 20, 2002 (pre-concert)

Die Nacht der Verfolgung

 



Von Birgit Popp

Meyerbeers Grand Opéra „Les Huguenots – Die Hugenotten“ hat als konzertante Koproduktion von Oper und Alter Oper am 24. November Premiere.

Damit steht die erste von zwei Koproduktionen der Oper Frankfurt mit der Alten Oper in dieser Spielzeit. Die zweite wird am 25. April 2003 mit Verdis „Jérusalem“ folgen. Mit Giacomo Meyerbeer feierte die Grand Opéra, die sich durch spektakuläre Bühnenwirksamkeit, ebenso großartigen melodischen Einfällen und glanzvollen Gesangspartien auszeichnet, ihre Vollendung. Charakteristischerweise zeigen auch „Die Hugenotten“ scharfe Kontraste zwischen Massenszenen und intimen Passagen, zwischen groß besetzten, in prächtigen Klangfarben instrumentierten Orchesterpartien und Instrumentalsoli.
Die Welt der Hugenotten symbolisiert der Luther-Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“, der sich von der Ouvertüre an leitmotivisch durch das gesamte Werk zieht.
Kaum bekannt ist, dass der Komponist unter dem Namen Jakob Liebmann Meyer Beer 1791 als Sohn eines jüdischen Bankiers in Vogelsdorf bei Berlin geboren wurde und seine Ausbildung u.a. in Darmstadt gemeinsam mit Carl Maria von Weber bei Abbé Vogler erhielt. Seit 1831 wohnte er mit kurzer Unterbrechung in Paris, wo er 1864 starb. 1836 erlebte die Uraufführung von „Les Huguenots“ einen sensationellen Erfolg.
Meyerbeer und sein Librettist Eugène Scribe wählten die französischen Religionskriege und die Bartholomäusnacht von 1572 zum Thema. Im Mittelpunkt steht die fiktive, tragische Liebesgeschichte zwischen Valentine (Sopran), der Tochter des katholischen Grafen Saint-Bris (Bass), und dem protestantischen Edelmann Raoul (Tenor).


Die musikalische Leitung der beiden konzertanten Aufführungen hat der Frankfurter Generalmusikdirektor Paolo Carignani. Die Solistenpartien sind mit dem früheren Frankfurter Ensemblemitglied Diana Damrau (Marguerite von Valois), die im Juni einen überwältigenden Erfolg als „Kleine Frau“ in der Uraufführung von „Der Riese vom Steinfeld“ an der Wiener Staatsoper feierte, mit Annalisa Raspagliosi (anstelle der erkrankten Marina Mescheriakova), der jungen Italienerin Sara Allegretta (Urbain) und dem italienischen Startenor Marcello Giordani (Raoul von Nangis) als auch Frankfurter Ensemblemitgliedern
erstklassig besetzt.

Alte Oper Frankfurt, Großer Saal, 24. und 26. November, 19 Uhr. Kartentelefon (069) 1340400.

 

 


 

From Frankfurter Neue Presse November 26, 2002

Die Grausamkeit des Glaubens

 



Von Andreas Bomba

Mayerbeers Oper "Les Huguenots" hatte eine stimmlich erstklassige konzertante Premiere in der Alten Oper Frankfurt.

Dass man Giacomo Meyerbeers 1836 herausgekommene große Oper meist nur in konzertanter Form zu hören bekommt, liegt an der enormen Besetzung, die heute kaum ein Theater mehr finanziell riskieren kann. Vor allem nicht gegen die Spielplanübermacht Richard Wagners. Über ein Jahrhundert nach dem Tod des Kontrahenten behauptet er in Deutschland noch immer seinen Platz. Obwohl er Meyerbeer so viel zu verdanken hatte, schmähte er ihn. Heute wirkt es makaber, dass der jüdische Komponist das Libretto von Eugène Scribes, eine Mixtur aus Räuberpistole und Lovestory, aus dem "Bartholomäusnacht"-Massaker von Katholiken an Protestanten entwickelte, und hundert Jahre später der "Reichskristallnacht"-Pogrom ihn posthum seine Stellung auf deutschen Bühnen kostete.

Eine konzertante, besser: oratorische Aufführung reduziert diese Aspekte notwendigerweise auf ein Sängerfest – so bedauerlich das ist, so gerne hört man diese Oper wenigstens im gut klingenden Konzertsaal. Das Verständnis der verworrenen Handlung (in der Alten Oper wurde französisch gesungen) und die Identifizierbarkeit zahlreicher Nebenrollen hätte allerdings deutlich gesteigert werden können durch den Abdruck des Librettos im Programmheft.

Zwei herausragende Sängerinnen bestimmten den Abend. Annalisa Raspagliosi (Valentine) hat alles, was ein dramatischer Sopran braucht. Von glühender Klangfülle – vor allem im breiten Mezzo-Bereich – bis zu schneidender Schärfe verfügt sie über herrliche Stimmfarben, ihre Höhe ist glasklar und kontrolliert, und auch in extremen Lagen vermag sie Dynamik und sprachbetonten Ausdruck klug zu steuern. Ebenso phänomenal beherrscht Diana Damrau (Marguerite von Valois) ihren wendigen und schönen Sopran: keine Vokalakrobatik, die ihr nicht noch ein Lächeln abnötigte, kein nach kurvenreichen Koloraturen angesprungener Einsatz, der ihr nicht perfekt und leicht gelänge. Marcello Giordani (Raoul von Nangis), heldentenoraler Widerpart, hinterließ dagegen gemischte Gefühle. Seine gleißende, kraftvolle und schier ermüdungsfreie Höhe erkauft der Tenor mit ungesund luftiger Mattigkeit im mezzavoce und in der mittleren Lage. Aber merkwürdig: Traute man ihm im dritten Akt kaum mehr den Rest der Oper zu, blühte er im bravourösen Duett mit Valentine (vierter Akt) erneut auf – Beweis dafür, dass Gesangstechnik allein noch keinen ausdrucksstarken Sänger macht.

Mit allzu viel Aufwand und roh gefasstem Vibrato sang Soon-Won Kang den Marcel (Raouls Diener), Frode Olsen und "Zeljko Lucic gaben mit viel Charakter die gräflichen Bass- und Bariton-Rollen.

Dirigent Guido Johannes Rumstadt vertrat den erkrankten Paolo Carginani, ohne dass man von "Ersatz" sprechen muss: Das Museumsorchester spielte (von einigen Bläsersoli abgesehen) unter seiner straffen, souveränen Leitung tadellos, die Tempi vermieden falsches Pathos, die Sänger fanden sich aufmerksam, zurückhaltend und beweglich begleitet und doch glutvoll angefeuert. Chor und Extrachor (Andrés Máspero) erreichten durch die unglückliche Aufstellung tief hinter den Bläsern nicht immer die gewünschte Durchschlagskraft.

Doch nach vier Stunden großer Oper herrschte beim Publikum restlose Begeisterung.

 

 

 

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