Concert at Bochum, Germany -- November 27, 1998

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Orchestra: Bochumer Symphoniker

Conductor: Steven Sloane

In the Concert series "Assimilation" will be given the first performance of the new edited concert-ouverture of Meyerbeer's Le Prophète


The Program:

Giacomo Meyerbeer: Overture to "Le Prophète" (First performance)

Felix Mendelssohn-Bartholdy: Overture, Nocturne and Scherzo "A Midsummer Night's Dream"

Jacques Offenbach: Overture to "Orphée aux Enfers"

George Gershwin: Concerto in F

Tickets can be ordered at:

Ute Brauer, Bochumer Symphoniker,

Tel: 49-234-9108621

FAX 49-234-9108611


Introduction by Matthias Brzoska, editor of Le Prophète

English text

Giacomo Meyerbeer, Konzertouverture "Le Prophète" - Uraufführung

Giacomo Meyerbeer (1791-1864) war der meistgespielte und kompositions-geschichtlich einflußreichste Opernkomponist des 19. Jahrhunderts. Er entstammte einer hochangesehenen jüdischen Bankiersfamilie aus Berlin. Nach einer Wunderkind-Karriere als Pianist und einem gründlichen Kompositionsstudium bei Abbé Vogler errang er mit seinen italienischen Opern erste internationale Anerkennung. Seine beiden ersten Pariser Opern Robert-le-Diable (1831) und Les Huguenots (1836), in denen er die Gattung der französischen Grand Opéra prägte, führten ihn zu Weltruhm. Mit der Uraufführung seiner dritten Grand Opéra Le Prophète (16.4.1849), welche die Geschichte der Müsteraner Wiedertäuferbewegung dramatisiert, wurde Meyerbeer definitiv zum international führenden Opernkomponisten seines Jahrhunderts: Von Paris aus ging das Werk ging innerhalb weniger Jahre über alle führenden Bühnen der Welt. Wagner hat beispielsweise zu Lebzeiten nur in Deutschland und auch nur mit Lohengrin und Tannhäuser ähnliche Aufführungszahlen wie Meyerbeer erreicht.

Bereits die Einstudierung der lang ersehnten Uraufführung des Prophète wurde von der Presse aufmerksam verfolgt und kommentiert. Meyerbeer war wie immer mit einer viel zu umfangreichen und anspruchsvollen Partitur nach Paris gereist, die er während der langen und minutiösen Probenarbeit grundlegend überarbeitete und an die Bedürfnisse der Inszenierung, der Sänger und der damaligen Theaterüsancen anpaßte. Die Partitur erfuhr dabei erhebliche Kürzungen; trotzdem stellte Meyerbeer noch zwei Wochen vor der Uraufführung in der Generalprobe fest, daß er noch 40 Minuten seiner Musik streichen müsse:

"Generalprobe von allen 5 Akten. Sie dauerte mit den Entreakten, welche 1 Stunde 20 Minuten währten, von 1/2 8 bis 1 Uhr, also 4 Stunden 16 Minuten Musik. Ich muß also 40 Minuten Musik wenigstens schneiden: eine harte und schwierige Aufgabe." (Meyerbeers Tagebuch, 1.4.49)

Schon acht Tage früher hatte man ihm geraten, die Ouverture zu kürzen, da sie in der Probe nicht den erwünschten Eindruck gemacht hatte: "Orchesterprobe: Die Ouverture brachte leider nicht den geringsten Effekt hervor und man riet mir, sie zu kürzen." (Meyerbeers Tagebuch, 22.3.49)

Nun wurde sie neben weiteren Werkteilen ganz gestrichen. Trotzdem hat sich Meyerbeer weiter mit der Ouverture beschäftigt. Noch am Tage vor der Uraufführung bat er Hector Berlioz um sein Urteil, möglicherweise bereits im Hinblick auf eine separate Aufführung als Konzertstück:

"Aber ich habe noch ein großes Anliegen an Sie, nämlich daß Sie die Freundlichkeit haben mögen, die Ouverture kennen zu lernen, deren Länge mich gezwungen hat, das Werk zu steichen. Sie wissen, daß ich Sie sehr schätze. Aber heute abend fürchte ich Sie noch mehr als ich Sie schätze, weil ich das dringende Verlangen spüre, daß meine Partitur Sie positiv beeindrucken möge. (Brief an Berlioz vom 15.4.49; Übs. v. Verf.)

Dieser Brief belegt zwar, daß die Ouverture hauptsächlich aus Gründen der Zeitersparnis gestrichen worden war. Trotzdem stand sie am 25. April nicht auf dem Programm des Konzerts, in dem andere gestrichene Werkteile - darunter der sog. Choeur des mères - zur Uraufführung gebracht wurde. Dem Publikum wurde die Ouverture zunächst in einem Arrangement für Klavier zu vier Händen bekannt, das Valentin Alkan in der zweiten Ausgabe des Klavierauszugs der Oper publizierte. Obwohl verschiedene Dirigenten sich um eine symphonische Aufführung des Werkes bemühten, wurden sie von Meyerbeer stets abschlägig beschieden. Meyerbeers Sekretär Johannes Weber berichtet in seinen Lebenserinnerungen, daß die Ouverture bei den Proben "zu symphonisch" gewirkt habe:

"Man studierte sie in den letzten Proben, schließlich fand man sie zu rein symphonisch und ließ sie weg; sie wurde durch ein Vorspiel von wenigen Takten ersetzt. Pasdeloup hat sie in drei Konzerten zu Gehör gebracht, mit starken Strichen. Ein Arrangement für Klavier wurde publiziert." (Johannes Weber, Meyerbeer, Paris 1898, S. 88; Übs. v. Verf.)

Tatsächlich handelt es sich um ein monumentales symphonisches Werk, das mit über 600 Takten als Theaterouverture wohl zu kopflastig gewirkt hätte. Das marzialische Hauptthema entstammt dem Beginn des dritten Aktes, der die Anabaptisten in entfesseltem Blutrausch zeigt. Sein hemenkopf wird am Ende der Einleitung zunächst von den Holzbläsern poniert, bevor es machtvoll in den Pauken erklingt. Es beschließt die Ouverture dann in einer groß angelegten Steigerung, die in in Fugenform gehalten ist. Als Nebenthemen fungieren unter anderem der Marsch der aufständischen Bauern am Schluß der Wiedertäuferpredigt, die Triumphhymne "Roi du Ciel", die in der Oper den Sturm des Propheten auf die Festung Münster signalisiert, und der walzerähnliche Seitensatz seines Krönungsmarsches. Programmatisch umschreibt die Ouverture also die geschichtsphilosophische Aussage der Oper, die das geschichtliche Wirken des von den Anabaptisten entfesselten Religionskrieges im Blutrausch der Masse begründet sieht. Zwei Jahre nach dem Tod des Komponisten ließ Meyerbeers Verleger Gemmy Brandus die Ouverture mit großem Erfolg konzertant durch Pasdeloups Konzertgesellschaft aufführen. Gemmy Brandus berichtet am 19.1.66 an Meyerbeers Tochter Cornelie:

"Am Sonntag vor 8 Tagen haben wir hier (...) ein großes Fest gehabt. Ich habe nämlich im Pasdeloupschen Konzert die Ouverture zum Prophet aufführen lassen. Diese Ouverture ist bei den Vorstellungen stets fortgeblieben und war also dem größeren Publikum so gut wie unbekannt. Ich aber kannte sie wohl und ihren großen Werth, denn ich hatte sie zur Zeit bei den Proben des Prophète mehr als ein Mal gehört. Ganz so wie bei der Africaine mußte aber auch beim Prophète, als es zur Aufführung kam, der Zeit wegen, Vieles wegbleiben, das probiert worden war, und dazu gehörte auch die Ouverture. Diese Ouverture ist ein colossales Werk aber schwer in der Execution; sie wurde indes vorzüglich ausgeführt, und hat so gefallen, daß sie im nächsten Pasdeloupschen Konzerte wieder gespielt wird; ein ganz außergewöhnlicher Fall."

Johannes Weber präzisiert in seinen Erinnerungen, daß die Ouverture in drei Konzerten zu Gehör gebracht worden sei, allerdings mit Strichen. Seitdem galt das Werk als verschollen, bis in den Archiven des Leipziger Verlages Breitkopf und Härtel ein apokryphes Orchestermaterial aufgefunden wurde. Es enthält ebenfalls Striche und ist daher möglicherweise mit der bei Pasdeloup aufgeführten Version identisch. Auf der Basis dieses Materials wurde die Ouverture in 1991 in Paderborn und später in Münster aufgeführt. Inzwischen konnte Meyerbeers autographe Urschrift des Werkes in der Pariser Nationalbibliothek aufgefunden werden. Ein vollständiger Orchester-Stimmensatz aus der Uraufführungszeit, der sich in den Archiven der Pariser Oper erhalten hat, komplettierte diesen Fund. Diese Quellen boten eine gesicherte Basis für eine Neuausgabe der Ouverture, die im Rahmen der kritischen Werkausgabe der Oper erstellt wurde. Sie wird in dem Konzert der Bochumer Symphoniker zur Uraufführung gebracht.

 


 

Introduction by Matthias Brzoska, editor of Le Prophète

Deutsch text

Giacomo Meyerbeer, Premiere performance of the concert overture to "Le Prophète"

As far as the history of composition of concerned, Giacomo Meyerbeer (1791-1864) was the most influential opera composer of the nineteenth century, and the one whose works were the most frequently performed. He was the scion of a highly regarded Jewish banker's family from Berlin. After a "Wunderkind" career as a pianist, and after a thorough study of composition with Abbé Vogler, he first received international recognition with his Italian operas. His first two Paris operas, Robert-le-Diable (1831) and Les Huguenots (1836), with which he defined the genre of the French "Grand Opéra," made him world-famous. With the premiere of his third Grand Opéra, Le Prophète (on 16 April 1849), which presented the history of the Münster Anabaptist movement in dramatic form, Meyerbeer incontestably became the leading opera composer of his century on the international level: from Paris, the work was performed on all of the leading opera stages of the world within a few years. By way of comparison, of Wagner's operas, only Lohengrin and Tannhäuser were performed with similar frequency during that composer's lifetime, and then only in Germany.

From the beginning, the rehearsals for the long-awaited premiere of Le Prophète were attentively followed and reported by the press. As always, Meyerbeer had come to Paris with a musical score which was far too large and challenging; during the long period of meticulous rehearsals, he revised it thoroughly and adapted it to the requirements of the production, the capacities of the singers, and the customs of the theater which obtained at that time. In this process, the score underwent substantial cuts; in spite of these, Meyerbeer found during the dress rehearsal, just two weeks before the premiere, that he still had to reduce the length of his music by forty minutes:

"Dress rehearsal of all five acts. Together with the entractes, which continued for 1 hour and 20 minutes, it lasted from 7:30 to 1:00, i.e., 4 hours and 16 minutes of music. For this reason, I must cut at least 40 minutes of music: a hard, difficult task" (Meyerbeer's Diary, 1 April 1849).

Eight days before, he had already been advised to shorten the overture, since it had not made the desired impression in the rehearsal:

"Orchestra rehearsal: unfortunately, the overture did not produce the slightest impact, and I was advised to shorten it" (Meyerbeer's Diary, 22 March 1849).

At this point, it was eliminated completely, along with other parts of the work. Nevertheless, Meyerbeer continued to occupy himself with the overture. On the day before the premiere, he asked Hector Berlioz for his opinion, possibly with the idea of a separate performance as a concert piece already in mind:

"But I still have a large request to make of you, namely, that you would be so kind as to acquaint yourself with the overture, which was so long that I felt compelled to remove it. You know that I hold you in high esteem. But this evening I fear you even more than I esteem you, because I feel a pressing desire that my score might impress you favorably" (letter to Berlioz dated 15 April 1849; translation by the author).

To be sure, this letter shows that the overture was eliminated primarily in order to save time. Nevertheless, it was not on the program of the concert on 25 April in which other parts of the work which had been eliminated -- among them the so-called Choeur des mères -- were performed for the first time. The musical public became acquainted with the overture for the first time in an arrangement for the piano for four hands which Valentin Alkan published in the second edition of his piano reduction of the opera. Although various conductors tried to arrange the performance of the work at symphony concerts, they always received a negative response from Meyerbeer. Meyerbeer's secretary, Johannes Weber, reports in his memoirs that the overture had had "too symphonic" an impact at the rehearsals:

"It was played in the last rehearsals, but finally it was found too purely symphonic, and it was dropped; it was replaced by a prelude of just a few measures. Pasdeloup presented it in three concerts, with severe cuts. An arrangement for piano was published" (Johannes Weber, Meyerbeer [Paris 1898], p. 88; translation by the author).

In fact, it is a monumental symphonic work, which with over 600 measures was probably too ponderous at the beginning of the opera. The martial main theme comes from the beginning of the third act, where the Anabaptists are shown in an unrestrained blood rage. At the end of the introduction, the initial theme is announced at first by the woodwinds, before it resounds powerfully in the timpani. The martial theme then brings the overture to an end in a broadly conceived climax which is executed in the form of a fugue. As supplementary themes, there are, among others, the march of the rebellious peasants at the end of the Anabaptist sermon, the triumphal hymn "Roi du Ciel" ["King of Heaven"], which in the opera signals the attack of the prophet on the fortress of Münster, and the waltz-like exposition of his coronation march. In programmatic form, the overture expresses the historical and philosophical message of the opera, namely, the view that the historical impact of the religious war unleashed by the Anabaptists had its origin in the bloodlust of the masses. Two years after the death of the composer, Meyerbeer's publisher, Gemmy Brandus, arranged a concert performance of the overture by Pasdeloup's concert organization with great success. On 19 January 1866, Gemmy Brandus reported to Meyerbeer's daughter Cornelie:

"One week ago on Sunday, we had a great festival here (...). I arranged, you see, for the performance of the overture to Le Prophète in one of Pasdeloup's concerts. This overture had always been omitted in the performances of the opera, and thus was virtually unknown to the wider public. I was well acquainted with it, however, and was aware of its great value, because I had heard it more than once during the period of the rehearsals of the Prophète. But just as in the case of the Africaine, a great deal which had been rehearsed had to be left out of the Prophète, when it was produced, because of the time, and this included the overture. It is a colossal work, but difficult in execution; yet it was performed excellently, and had such a pleasing effect that it was played again at the next Pasdeloup concert; a quite unusual case."

In his memoirs, Johannes Weber adds that the overture was heard at three concerts, to be sure, with cuts. From that time on, the work was presumed to have been lost, until an apocryphal version was discovered in the archives of the Leipzig publisher of Breitkopf and Härtel. It also contains cuts, and for that reason may possibly be identical to the version performed by Pasdeloup. On the basis of this material, the overture was performed in 1991 in Paderborn, and later in Münster. In the meantime, Meyerbeer's autograph version of the work came to light in the Bibliothèque Nationale in Paris. A complete set of orchestra parts from the time of the premiere which had been preserved in the archives of the Paris Opèra, rounded out these discoveries. These sources furnished a sound basis for the new edition of the overture, which was prepared as part of the critical edition of Meyerbeer's works. It will receive its premiere performance in a concert of the Bochum Symphony Orchestra.

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